W.I.R. Unternehmensservice Bergedorf

Ein Jegliches hat seine Zeit …!

Wir alle kennen diesen Satz vom Prediger Salomo aus der Bibel, haben ihn gehört und sagen ihn uns vielleicht zur Beruhigung, wenn etwas in unserer beschleunigten Welt nicht so schnell vorangeht, wir Geduld brauchen und die Fix-Parat-Lösung nicht einfach und schnell so vom Himmel fällt. Auch ein beruflicher Neustart hat seine Zeit, braucht seine Zeit, seinen Entwicklungsweg. Wären wir gezwungen, unseren gewohnten Acker, unseren Arbeitsplatz, unsere Familie, unser Dorf, unsere Stadt, unser Land plötzlich zu verlassen und müssten auf einem neuen Acker Wurzeln schlagen, so müssten wir viele Fragen klären, viele Probleme lösen und neue Antworten finden. Probleme am Computer, am Auto, im Haushalt lassen sich damit verglichen vergleichsweise schnell lösen.

 

Entweder wir haben selber das Lösungswissen und handeln angemessen oder wir holen fachlichen Rat und der Handwerker kommt z.B. ins Haus. So einfach ist die Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz auf dem Arbeitsmarkt in der Regel nicht, weder für Inländer noch für Geflüchtete. Die Sprachhürde muss ebenfalls gemeistert werden. Um eine neue Sprache zu erlernen, braucht es Zeit. Das ist vergleichbar mit dem Erlernen eines neuen Berufes.

Der Weg in das Arbeits- und Berufsleben in Deutschland ist eine Gemeinschaftsaufgabe und die Entwicklung von Lösungen geschieht im Zusammenspiel. Beteiligt daran sind viele Institutionen und die dort tätigen Menschen (Ausländerbehörden, Arbeitsämter, Jobcenter, Sprachschulen, Sozialämter, Wirtschaftsverbände, Kammern, Berufsbildungszentren etc.). Die Erfahrung lehrt: Ein Speed-Dating allein löst das Problem meistens nicht und die schnelle Vermittlung in einen Job, nur um Geld zu verdienen ist es in aller Regel auch nicht. Die Lösungen für die meisten Geflüchteten entstehen in kleinen Schritten, im Ausprobieren, im Sammeln von eigenen Erfahrungen. Es ist ein Prozess des Hineinwachsens. Was als Praktikum als Verkäufer im Herrenmodefachgeschäft Willhöft in der Bergedorfer Fußgängerzone begann, führte zur Ausbildung zum Busfahrer. Der Abbruch einer Lehre zum Kfz-Mechatroniker in Geesthacht aufgrund von unterschätzen Sprachproblemen mündet nun mit besseren Sprachkenntnissen und nach zwei weiteren Betriebspraktika in eine Ausbildung zum Karosseriebauer. Der Student mit abgebrochenem Studium der Vermessungstechnik möchte im Metallhandwerk einen beruflichen Neustart wagen und macht Praktika in verschiedenen Betrieben. Um die Lehrstelle zum Groß- und Außenhandelskaufmann zu bekommen, muss noch Englisch gelernt werden. Der Student mit abgebrochenem Studium der Literaturwissenschaft aus Syrien macht sich über eine Einstiegsqualifizierung auf den Weg, um Hörakustiker zu werden. Und dann gibt es sie manchmal doch, die Lösungen, die einfach so vom Himmel fallen. Da ist der Maschinenbauingenieur, der nach einem sechswöchigen Praktikum in die Konstruktionsabteilung bei einem erfolgreichen mittelständischen Unternehmen übernommen wird und da ist der Unternehmer, der nach einem ersten Praktikum mit einem älteren Schweißer aus Syrien sagt: „Der passt zu uns. Seine Sprachkenntnisse müssen sich noch verbessern. Daran arbeiten wir, aber er soll bleiben, der passt ins Team!“ Das sind jedoch die Ausnahmen.

Die Regel ist: Wachstum braucht seine Zeit und es ist sehr förderlich, wenn die beratenden Akteure den Geflüchteten Hilfestellungen anbieten und Brücken in die Arbeit bauen und über einen guten sensiblen Radarschirm für die vielen möglichen beruflichen Wege des Lebens und die Unterschiedlichkeit der Menschen verfügen. Und es ist sehr wichtig, dass alle Integrationsorganisatoren in einer Wirtschaftsregion von einem kooperativen Verständnis geleitet werden. Dann stimmen die Rahmenbedingungen und das Werk kann gelingen.

Geben wir der Arbeitsmarktintegration ihre Zeit, dann schaffen wir das!

 

Kontakt
Klaus Fischer, Berater
fischer@wsb-bergedorf.de
Tel: 0176 / 43 50 58 10